Gleich zu Anfang: die Frage werde ich nicht schwarz-weiß beantworten. Es gibt nämlich mal wieder nur die wahre, aber auch etwas langweilige, Antwort: kommt drauf an. Sowohl Packrafts als auch SUPs machen viel Spaß.
Je nachdem wo Du aufs Wasser gehst, und was Du machen möchtest, ist ein SUP oder ein Packraft das Sportgerät Deiner Wahl.

Ein paar Merkmale unterscheiden Packrafts und aufblasbaren SUPs jedoch grundlegend (Hardboards machen inzwischen weniger als 10% der SUPs aus, wir konzentrieren uns auf inflatable SUPs). Diese Unterschiede sprechen wir in dem kurzen Artikel kurz durch. Und danach: ab aufs Wasser, darum geht es ja!

Grundlegende Unterschiede in der Konstruktion

SUPs müssen eine hohe Härte und Steifigkeit erreichen. Packrafts benötigen gut gefüllte Schläuche als  Auftriebskörper..

Bei SUPs werden verschiedene Aufbauvarianten unterschieden, Single Layer vs Double Layer mit oder ohne Verstärkungen. Entscheidend ist das Innenleben des Boardkerns. Das ist der lufthaltende Körper. Um die nötige Steifigkeit zu erhalten, verwenden ALLE SUPs das Drop-Stitch-Verfahren. D.h. im Boardkern befinden sich tausende von Fäden – die Drop Stitches – die sich bei der Befüllung mit Luft bis zu einem bestimmten Punkt ausdehnen, bevor sie sich zusammenziehen und so die Form des SUP ausbilden. Um die Fäden dazu zu bekommen, wie kleine Versteifungen zu wirken, benötigt das SUP mit mindestens 1 bar Überdruck. Hauptsächliches Material der SUPs ist PE. Zusammengelegt passen ein SUP und Zubehör in einen 60l Rucksack.

Packrafts sind in letzter Konsequenz Schlauchboote. Ultraleichte, sehr stabile, platzsparende Schlauchboote, aber eben Schlauchboote. Um ein Packraft aufzublasen, benötigt es keinen Überdruck. Die Schläuche haben keine innenliegenden Verstärkungen, der Luftdruck allein hält sie prall. Normale Schlauchboote und schlechte Packrafts bestehen aus PVC, gute Packrafts meist aus Nylon mit TPU-Beschichtung. Zusammengelegt passen ein 1-Person Packraft und Zubehör in einen 40l Rucksack.

Packrafts sind einfacher aufzubauen

SUPs können wegen dem notwendigen Überdruck nicht ohne Pumpe aufgebaut werden. Je nach SUP und persönlicher Vorliebe wird ein SUP mit einem Druck von 14-18 psi belegt. Der Aufbau wird dadurch zu einer sportlichen Angelegenheit für sich. Viele User bauen ihr SUP daher gar nicht mehr ab und das inflatable wird zum Hybrid-Hardboard.

Packrafts baut man im Normalfall mit einem Luftsack oder Blasesack auf. Ähnlich den Wurfsofas für den Strand fängt man Luft ein, verschließt den Luftsack hinten und drückt die Luft durch das Ventil in das Boot. Je nach Ventiltyp und Bootsgröße passiert das Ganze in unter 3 Minuten. Es lohnt sich also auch das Boot für einen kurzen Trip aufzubauen.

SUPs sind schneller

Die Aussage ist vor allem für stehende Gewässer wahr. Das ist nicht unbedingt das Haupteinsatzgebiet für Packrafts, aber der einzig mögliche Vergleich. Je nach Packraft erreicht man als Einzelfahrer mit Doppelpaddel eine Geschwindigkeit von 3-6 km/h. Wer sich in einem guten Boot richtig anstrengt, schafft vielleicht 1-2k m/h mehr. Auf einem SUP mit Stechpaddel geht es bei 5-6 km/h los (keine Strömung oder leichte Gegenströmung), bis zu knapp km/h in etwas raueren Gewässern wie Küsten (mit Spezialboards) oder über 10km/h mit Strömung und ruhigem Wasser.

SUPs sind schwerer

Die Konstruktion bestimmt das Gewicht. Selbst bei Einsatz gewichtssparender Materialien wird ein SUP immer ca. 3-mal so schwer sein, wie ein Packraft. Packrafts für eine Person bis ca. 1,90m wiegen zwischen 3 und 4 kg. SUPs wiegen über 10kg, im Normalfall kannst Du mit 12-15kg rechnen.

Wann nehme ich ein SUP und wann ein Packraft?

Wenn Du an einem See oder Fluss wohnst und abends eine schnelle Runde drehen möchtest, und Dein Boot nicht jedes Mal neu aufbauen musst: hol Dir ein SUP. Abends in einer Gruppe mit schwach beleuchteten SUPs die Spree durch Berlin paddeln sieht super aus und macht echt Spaß. Bekommst Du mit dem Packraft nicht hin.

Packrafts sind wie der Name sagt, für Wildwasserrafting geeignet, haben aber noch viel mehr Einsatzmöglichkeiten. Das niedrige Gewicht, das kleine Packmaß und der schnelle Aufbau bringen Dich schlicht überall aufs Wasser. Bei einer Wanderung oder Biketour See oder Fluss überqueren – kein Problem. Mitten in der Stadt in einen Kanal einsetzen, kein Problem. Den flachen Bach im Walder erkunden und ab und wenn nötig kreativ Hindernisse überwinden: kein Problem. Eines der Bilder zeigt das eindrücklich: die Paddeltour auf der Alten Löcknitz östlich von Berlin war abenteuerlich. Ausstieg war zum Teil nicht möglich, also mussten wir querliegende Baumstämme aus dem Boot heraus überqueren. Dann das Packraft über die Baumstämme ziehen und wieder einsteigen. Es gibt nicht viele andere Boote, die da mitmachen.

Packrafts sind ideal für Erkundungen auf dem Wasser, die Dir normalerweise verschlossen bleiben.  Echte Entdeckerboote.